Nun gibt es also die erste Beta vom neuen Messaging System von Microsoft: Exchange 2010 aka Exchange 14. Ich hatte vor einiger Zeit bereits die Gelegenheit mich intensiv mit Alpha-Bits von Exchange 2010 auseinanderzusetzen. Mein Eindruck ist: Exchange 2010 ist das Windows 2003 unter den Microsoft Messagingsystem Versionen. Mit Exchange 2007 kamen, ähnlich wie mit Windows 2000, all die revolutionären Neuigkeiten wie SAN-loses Clustering, Logfile Shipping im Allgemeinen, rollenbasierte Installation, 64bit support, starke IO – Verbesserungen, Unified Messaging und vieles mehr.
Genau wie Windows 2003 die revolutionären Verbesserungen von Windows 2000 “rund” gemacht hat, geschieht das nun im Messagingbereich durch Exchange 2010. Bereits die Alpha-Bits machten einen extrem ausgereiften Eindruck. Müssen sie auch, denn schließlich arbeiten mittlerweile 5 Millionen User produktiv damit. Gut, das sind keine Enterprise Kunden – aber die Zahl ist trotzdem beeindruckend.
Wenn man sich fragt, was das für “Beta-Mailboxen” sind, findet man ganz schnell den roten Faden, der die Entwickler und Program-Manager durch den bisherigen Entwicklungsprozess von Exchange 2010 geführt hat. Es handelt sich um gehostete Mailboxen oder auch “Online-Mailboxen”. Im Gegensatz zu den “On-Premise” Installationen, die auf den hauseigenen Servern laufen, sitzen die Online Mailboxen auf Servern von Microsoft. Ich hatte schon Anfang des Jahres darüber nachgedacht was es bedeuten würde, wenn plötzlich Firmenmailboxen von Microsoft gehosted werden. Nun, wie damals bereits berichtet, liegt der Erfolg der gehosteten Services in der Flexibilität.
Was heißt das? Ein Unternehmen hat natürlich unterschiedlich wichtige Mailboxen. Sicherlich kann man trotz (eventuellem) Misstrauen gegenüber dem Softwarehersteller nicht generell sagen, dass Unternehmen ein Problem damit hätten ihre Mailboxen auszulagern. Man möchte vielleicht nicht die Mailboxen von Entscheidungsträgern oder von der Forschungsabteilung auslagern, aber die Mailboxen der sogenannten “Blue-Colored-Workers”, der einfacheren Arbeitern also, könnten möglicherweise kostengünstiger gehosted werden. Genau bei diesen Mischszenarien setzt Exchnge 2010 an. Mit den “Federated Gateway Services” bietet Microsoft die Möglichkeit eine Art “Trust” zwischen den von Microsoft gehosteten Mailboxen und den “in-house” Mailboxen zu erstellen. Dies ist notwendig damit die User und Administratoren keinen Unterschied spüren zwischen von Microsoft gehosteten und “on-premise” Mailboxen. Auch die GUI (EMC) deutet diese Mischszenarien bereits an.
Die Leute hinter Exchange
Exchange ist eines der wichtigsten Produkte von Microsoft. 6000 Entwickler entwickeln für Exchange. 3000 davon entwickeln an Exchange 2010. 1500 davon entwickeln SP2 für Exchange 2007 und weitere 1500 entwickeln bereits jetzt das SP1 für Exchange 2010 (!).
Einige Neuigkeiten im Überblick
IO Reduktion
Exchange 2007 hat eine IO Reduktion von 70% gegenüber Exchange 2003 bewerkstelligt. Mit Exchange 2010 gibt es eine weitere Reduktion von 50% gegenüber 2007. Hauptsächlich tragen dazu die nun größeren Portionen bei, die auf einmal von der Platte gelesen werden.
MAPI gegen CAS
Da man einen Failover von einem aktiven auf einen passiven Node möglichst unbemerkt für den Client gestalten möchte, hat man die MAPI Connection des Clients vom Mailbox Server weg auf den CAS Server gelegt. (Um hier einen single point of failure zu umgehen, werden die CAS ge-load-balanced).
Archiving
Microsoft steigt ins Archiving ein. Kurz gesagt: es ist eine Version Eins. D.h. wer keinen riesengroßen Anforderungskatalog ans Archiving hat, wird möglicherweise zufrieden sein. Mit ausgereifen 3rd Party Produkten ist die Microsoft Implementierung allerdings nicht zu vergleichen. Natürlich wird sich das mit einem Service Pack oder mit E15 ändern. Generell sieht Microsoft aber auch größere Mailboxen beim User (10 GB). Durch Performance-Verbesserungen auf Client (ab Outlook 2007 SP2) und Server wird dies möglich sein.
RMS Rules
Auf dem Hub Transport gibt es nun (lang erwartet) Transport Rules mit denen RMS Templates applied werden können.
DAG – Database Availability Groups
CCR, SCC, SCR, LCR. Kann man nun alles vergessen. Die Features von CCR und SCR sind sozusagen in die Technologie von DAG gewandert. SCC und LCR gibt es gar nicht mehr. Die DAGs sind CCRs mit bis zu 16 Knoten. Dabei kann immer nur ein Knoten aktiv sein. Die Flexibilität ist dabei nahezu grenzenlos. So kann auf Server A die Datenbank A aktiv sein während sie auf Server B und Server C passiv ist. Hingegen kann die Datenbank B auf Server B aktiv und auf Server A und Server C passiv sein. Und so weiter. Es gibt somit keinen wirklichen active node mehr sondern nur noch einen Server mit einer oder mehreren active databases. Das ganze geht natürlich über AD Sites hinweg. Die Failover Zeit wurde dabei massiv verbessert. Dadurch, dass nun mehr als 2 nodes an einem Cluster teilhaben können, kann man schon von einem “Application RAID” sprechen. Tatsächlich spricht Microsoft davon, dass man ab 3 DAG nodes keine hardware Redundanz mehr braucht (RAID).
In den kommenden Wochen werde ich über weitere Neuigkeiten berichten.
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